Jahrgangsübergreifendes Lernen

 

 

 

 

 

 

 

Am 30. November 2017 war die Lokalzeit des WDR an unserer Schule zu Gast,

um über das jahrgangsübergreifende Lernen an unserer Schule zu berichten.

Studiogast: Professor Volker Ladenthin, Uni Bonn


Häufig gestellte Fragen zur Jahrgangsmischung

1. Was ist der Vorteil einer Jahrgangsmischung 1 bis 4?

In der jahrgangsgemischten Gruppe ergeben sich viele Unterschiede, die neue Lernanregungen bieten und die Kreativität und Lernmotivation der Kinder fördern. Insbesondere die personalen und sozialen Kompetenzen („soft skills“) der Kinder werden gestärkt und so Schlüsselqualifikationen erlangt, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ein lebensbegleitendes Lernen ermöglichen (vgl. auch Lehrplan NRW, Kapitel 4.5: Erziehender Unterricht). Diese sind: Verantwortungs- und Hilfsbereitschaft, Konfliktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit sowie Achtung und Respekt vor unseren Mitmenschen.

  • Die Kinder wachsen in eine bestehende Klassengemeinschaft hinein und können sich an älteren Schülern orientieren.
  • Schüler übernehmen bestehende Rituale und vereinbarte Regeln.
  • Die Kinder erleben in ihrer Schulzeit den Perspektivwechsel vom Hilfesuchenden zum Helfer.
  • Kinder erleben die Unterschiede in der persönlichen Entwicklung, im eigenen Lernstand und in der eigenen Interessenbildung als normal.
  • Jahrgangsübergreifende Lerngruppen entsprechen der natürlichen sozialen Umgebung (z.B. in der Familie, im Kindergarten und allen anderen Bereichen des Lebens).
  • Die Unterschiede werden zum Motor des Lernens und der Gruppe.
  • Besonders begabte Kinder werden in ihrem Wissensdrang nicht gebremst.
  • Lernverzögerte Kinder können entsprechend ihrem Lerntempo fortschreiten.
  • „Sitzenbleiben“ und der daraus resultierende Wechsel der Lerngruppe und vertrauten Lernumgebung sind nicht länger nötig.

 

Das jahrgangsübergreifende Lernen schließt dabei nicht aus, dass sich sowohl alters- als auch leistungshomogene Arbeitsgruppen bilden.

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2. Wie wird gewährleistet, dass die Kinder die erforderlichen Kompetenzen der Klassenstufe erlangen und Lehrer und Eltern den Überblick über den Leistungsstand des Kindes haben?

Auf Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne NRW hat das Kollegium Jahresarbeitspläne für Deutsch, Mathematik und Sachunterricht erarbeitet. Diese umfassen alle Kompetenzen, welche die Kinder im jeweiligen Schuljahr erlangen sollen. Eine kürzer gefasste Übersicht haben die Kinder jeweils in ihrem Lerntagebuch. Hier ist ersichtlich, mit welchem Material jeweils in der Freiarbeit gearbeitet werden soll. Außerdem dokumentieren die Kinder ihre tägliche Arbeit im Rahmen der Freiarbeit. Das Lerntagebuch dient damit der Dokumentation und gibt Kindern, Eltern und Lehrkräften einen Überblick über den individuellen Lernfortschritt. Weiterhin nutzen wir Lernzielkontrollen und Beobachtungsbögen, um den individuellen Entwicklungsstand der Kinder festzustellen. In Elterngesprächen werden Eltern dann über den Lernstand Ihres Kindes informiert.

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3. Wie werden Leistungen festgestellt und dokumentiert?

Die Leistungsbewertung orientiert sich grundsätzlich an den Anforderungen der Richtlinien und Lehrpläne, NRW.

Die Leistungserfassung umfasst drei Bereiche:

  • Lernvoraussetzung erfassen
  • Lernfortschritte erkennen
  • neue Lernstände feststellen.

 

Die Leistungserfassung basiert auf:

  • Beobachtungen
  • der Dokumentation in den Lerntagebüchern durch die Kinder selber
  • Lernstandskontrollen (standardisierte Tests)
  • Dokumentationen in Beobachtungsbögen
  • Lernstandsmappen oder Portfolios.

Die Lernstandskontrollen können je nach Lernstand zu einem individuellen Zeitpunkt (beispielsweise in einem vereinbarten Zeitrahmen von 2-3 Wochen), oder auch, je nach Themengebiet (z.B. Sachunterricht), zu einem gemeinsamen Zeitpunkt geschrieben werden. Ab Klasse 3 können die Leistungsnachweise auch benotet werden.

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4. Wann ist Zeit für die Einführung von neuen Themen?

Zum einen können neue Themen im Rahmen der Freiarbeit eingeführt werden, z.B. wenn es sich um ein Sachunterrichtsthema handelt, an dem alle Kinder auf ihrem jeweiligen Niveau und mit ihrem Leistungsvermögen arbeiten. Oft wird auch einer kleineren Gruppe von Kindern in der Freiarbeit z.B. ein neues Material gezeigt. Dazu versammeln sich die betreffenden Kinder an dem Gruppentisch. Die anderen Kinder müssen dann in dieser Phase eigenständig an ihren Aufgaben arbeiten. Solch eine Phase, die bis zu 15 bis 20 Minuten dauern kann, erfordert von allen Kindern viel Rücksichtnahme: Die Kinder, die ihren individuellen Arbeiten nachgehen, müssen leise arbeiten und sich bei Fragen selber weiterhelfen, in dem sie z. B. ein anderes Kind leise um Rat fragen. Die Kinder, die eine Einführung erhalten, müssen ebenso leise sein.

 

Darüber hinaus, haben alle Kinder sogenannte Ergänzungsstunden (Teilerstunden) vorrangig in den Fächern Deutsch und Mathematik, manchmal auch Sachunterricht/Kosmische Erziehung. In diesen Stunden arbeiten die Erst- und Zweitklässler zweier Partnerklassen bzw. die Dritt- und Viertklässler der Partnerklassen zusammen. In diesen Stunden bleibt genügend Zeit für Einführungen, Erklärungen und den Austausch über den gemeinsamen Unterrichtsstoff.

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5. Mit welchen Unterrichtsmaterialien wird gearbeitet?

In der Freiarbeit arbeiten die Kinder vielfach mit den Montessori-Materialien. Das gilt insbesondere für den mathematischen Bereich. Aber auch in Deutsch und Sachunterricht (Montessori spricht von der "Kosmischen Erziehung") greifen die Kinder auf Montessori-Material zurück.

Trotzdem werden auch Arbeitshefte genutzt: So lernen die Erstklässler die Grundschrift mit einem Schreiblehrgang, es gibt Lesehefte, mit denen die Kinder das Lesen und die Anwendung von Lesestrategien üben, die Rechtschreibung wird von Beginn an bei uns mitgedacht durch die Arbeit in bestimmten hierfür vorgesehenen Heften. Selbstverständlich werden die Kinder an die Arbeit mit einem Wörterbuch herangeführt. Auch hierzu gibt es bestimmte Hefte.

 

Auch für die Hausaufgaben / die Lernzeit haben die Kinder Arbeitshefte, in denen sie arbeiten. So ist gewährleistet, dass jedes Kind bestimmte Aufgabenformate üben und trainieren kann unabhängig vom Montessori-Material.

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6. Wie kommen die Kinder von den jahrgangsübergreifend arbeitenden Montessori-Schulen an den weiterführenden Schulen klar?

Wir können in diesem Punkt noch nicht auf ganz so lange Erfahrungen zurückblicken. Dennoch haben uns Eltern und auch Lehrer der weiterführenden Schulen rückgemeldet, dass die Kinder fachlich gut vorbereitet sind, sehr selbständig und sozial kompetent auftreten. Sie übernehmen Verantwortung für ihr Lernen, können sich eigenständig Themen erarbeiten und sind in der Lage, ihre Arbeiten gut zu strukturieren. Außerdem sind sie es gewohnt, vor der Klasse frei zu sprechen und Dinge zu präsentieren.

 

Ähnliches haben uns Montessori-Schulen berichtet, mit denen wir im Austausch stehen, und die über einen längeren Erfahrungsraum verfügen.

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